22.12.2025

„Der gesamte Wohlstand einer Gesellschaft steht und fällt mit dem Erfolg der Wirtschaft. Deshalb ist Wirtschaftsförderung eine zentrale Aufgabe für uns.“ Mit diesen Worten eröffnete Landrat Christian Engelhardt, Aufsichtsratsvorsitzender der Wirtschaftsförderung Bergstraße GmbH (WFB), die diesjährige Jahresabschluss-Pressekonferenz der WFB. In den Räumen der WFB in Heppenheim gaben der Landrat, Dr. Jürgen Gromer, Beiratsvorsitzender und Aufsichtsrat der WFB, sowie Dr. Matthias Zürker, Geschäftsführer der WFB, einen Überblick über die Entwicklung der Wirtschaftsregion Bergstraße, die Ergebnisse der Arbeit der WFB im ablaufenden Jahr und gewährten einen Ausblick auf künftige Vorhaben.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der WFB skizzierte kurz die angespannte wirtschaftliche Lage in ganz Deutschland, in Vergleich derer der Kreis Bergstraße „vergleichsweise gut dastehe“. Als einen der Gründe führte er unter anderem seine „hervorragende Lage inmitten von zwei Metropolregionen“ an, die Stabilität schaffe. „Davon profitieren wir“, sagte er. Die Kreisverwaltung sorge für die nötigen Rahmenbedingungen für Wachstum, indem man zum Beispiel bei schulischen Bauvorhaben mit regionalen Unternehmen zusammenarbeite, Infrastrukturprojekte begleite, etwa die geplante ICE-Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim, oder sich dafür einsetzt, dass im Regionalplan Südhessen mehr Flächen für Gewerbe und Wohnen ausgewiesen werden. Der Landrat führte zudem das MINT-Zentrum Südhessen Bergstraße an, dessen Eröffnung im September 2026 vorgesehen ist und das als Schnittstelle zwischen Schulen, Wissenschaft und Wirtschaft fungieren soll. Als weiteres Thema nannte er den „Wirtschaftsfaktor Tourismus“: Attraktive Freizeitmöglichkeiten stünden für Lebensqualität – ein elementarer Faktor beim Werben um Fachkräfte.

„Die Unternehmen agieren überwiegend noch verhalten, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen Investitionen schwierig, die Wirtschaft sucht mehr Planbarkeit, Sicherheit und Entlastungen“, griff Dr. Zürker den Faden auf. Wie er informierte, ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in der Wirtschaftsregion Bergstraße von 78.648 im Vorjahr auf aktuell 79.052 leicht gestiegen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,4 Prozent und damit erneut unter derer der Nachbarregionen und ist eine der niedrigsten in ganz Hessen.

Anschließend präsentierte er die Ergebnisse der WFB. Wie er zeigte, haben die Fachbereiche der kreisweiten Wirtschaftsförderung im ablaufenden Jahr insgesamt 681 Beratungen (Bestandsunternehmen, Mitarbeitende, Gründende, Investorinnen und Investoren, Bürgerinnen und Bürger in Sachen Energie sowie Kommunen) durchgeführt. „Beratungen und die Netzwerkarbeit sind seit jeher der wichtigste Teil unseres Wirkens“, kommentierte der WFB-Geschäftsführer. Themen der Beratungen von Unternehmen waren insbesondere Bestandserweiterungen, Genehmigungen, Digitalisierung, Fördermittel und Nachfolge. Vorne mit dabei war auch Weiterbildung – die bei der WFB angesiedelten Bildungscoaches führten 66 Beratungen von Mitarbeitenden durch – sowie die Tourismusförderung, zu der die WFB mit zahlreichen Projekten wie der Neuauflage der Nibelungensteig-Wanderkarte, dem Veranstaltungskalender für den Vorderen Odenwald oder einem Podcast zum Nibelungensteig viel beigetragen hat. 70 Anfragen von Investoren nach Flächen oder Gewerbeimmobilien hat die WFB bearbeitet. Doch „der Entwurf des neuen Regionalplans bietet Investoren von außerhalb sowie den Bestandsunternehmen zu geringe Entwicklungsmöglichkeiten und kann die Nachfrage nach Gewerbeflächen, auch unter Berücksichtigung von Potenzialen in der Innenentwicklung und Nachverdichtung, nicht befriedigen“, so Dr. Zürker. „Angesichts knapper kommunaler Kassen ist es erforderlich, den Kommunen eine Entwicklungsperspektive und somit die Möglichkeit zusätzlicher Einnahmen zu eröffnen.“ Er forderte, auch angesichts der Überlagerung von Entwicklungsflächen mit Klimafunktionen sowie einer unzureichenden Flexibilität der Kommunen bei der Gebietsausweisung, eine Anpassung des Entwurfs.

Der WFB-Geschäftsführer berichtete über 27 Veranstaltungen im Jahr 2025, bei denen die WFB 1.035 Gäste begrüßen durfte. Als Beispiele nannte er den Informationsabend „Zukünftige Erfolgsfaktoren landwirtschaftlicher Betriebe“ bei und mit der VR Bank Ried-Überwald, den Empfang für die Bergsträßer Wirtschaft bei und mit der Sparkasse Bensheim, die „Roadshow Unternehmensnachfolge“ bei und mit der Sparkasse Starkenburg sowie die Veranstaltung „KI im praktischen Einsatz“, welche die WFB gemeinsam mit dem Mittelstand-Digital-Zentrum Darmstadt durchgeführt hatte (wir berichteten).

2026 wird sich die Arbeit der WFB auf die Themen „Generierung von Entwicklungsimpulsen“, „Unterstützung bei der Digitalisierung und Transformation“ sowie „Unterstützung bei der Akquise, Bindung und Weiterentwicklung von Fachkräften“ fokussieren. Als Beispiele für neben der Beratungstätigkeit geplante Vorhaben nannte er die Durchführung (durch einen externen Dienstleister) der Machbarkeitsstudie zur Nachnutzung des ehemaligen KKW-Standortes Biblis, die Organisation einer Veranstaltung zum Thema „Praktischer Einsatz künstlicher Intelligenz im Büro“, die Durchführung des Gründungswettbewerbs 2026 und die Organisation von zwei Treffen des HR-Netzwerkes Bergstraße.

Dr. Gromer ging in seinem Statement auf das Thema Regionalplan ein und erklärte, dass der Beirat eine Stellungnahme an das Regierungspräsidium verfasst habe, in welcher er wegen der signifikanten Reduzierung von Gewerbeflächen, und auch von Wohnbauflächen, die Bedenken des Gremiums zum Ausdruck bringt. „Die Wirtschaftsregion Bergstraße ist einer der Motoren Südhessens. Damit sie diese Rolle weiter erfüllen kann, braucht sie ausreichend Flächen für Wachstum – auch für bestehende Unternehmen“, so der Beiratsvorsitzende und Aufsichtsrat. Daneben ging er auf Themen und Projekte ein, welche für den Beirat bei der Arbeit der WFB von zentraler Bedeutung, wie u.a. der Ausbau der Gigabitinfrastruktur, der Kommunikation mit der regionalen Wirtschaft wie auch der Stärkung der Gründungsbereitschaft.

Lächelnde Frau mit dunklen Haaren, die mit verschränkten Armen vor heller Wand steht, trägt weiße Bluse mit feinen Streifen.

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