02.03.2026

Wenn rund 60 Landwirtinnen und Landwirte aktiv über Datenräume, Nachhaltigkeitskriterien und Bürokratieabbau diskutieren, dann zeigt das: Die Branche gestaltet ihre Zukunft aktiv. In diesen Tagen hatten die Wirtschaftsförderung Bergstraße GmbH (WFB) und die VR Bank Ried-Überwald eG die Akteure aus der Landwirtschaft in der Wirtschaftsregion Bergstraße eingeladen. Rund 60 Gäste kamen in die Räume des Kreditinstituts nach Bürstadt, um sich unter dem Titel „Zukunftsfähige Wertschöpfungsketten: Wie Datenhoheit und Nachhaltigkeitsstandards die Lebensmittelproduktion von morgen stärken“ darüber auszutauschen, wie Betriebe trotz wachsender regulatorischer Anforderungen wettbewerbsfähig bleiben können.

Oliver Schossau, Leiter Firmenkunden- und Baufinanzierungsberatung der VR Bank Ried-Überwald eG, eröffnete den Abend. Die Veranstaltung sei eine Traditionsreihe, betonte er, und die Landwirtschaft wie kaum eine andere Branche von Klimawandel, Preisentwicklungen und Auflagen betroffen. „Unser Ziel ist es, Impulse zu geben und praktikable Lösungsansätze aufzuzeigen.“

Landrat Christian Engelhardt, Aufsichtsratsvorsitzender der WFB, unterstrich in seinem Grußwort die Bedeutung der Branche: „Unsere Landwirtschaft steht für hochwertige Produkte und Lebensqualität in der Region.“ Der Austausch zwischen Praxis, Wirtschaft und Wissenschaft sei dafür unverzichtbar.

Im Mittelpunkt stand der Vortrag von Prof. Dr. Nils Borchard, Leiter Forschung und Innovation bei der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) e.V. Er zeichnete ein klares Bild: Steigende Dokumentationspflichten, fragmentierte Datensysteme und hoher Zeitaufwand belasteten die Betriebe. „Daten sind heute Produktionsfaktor und Voraussetzung für Marktzugang, Finanzierung und Compliance“, so der Referent. Statt Insellösungen brauche es einen koordinierten, souveränen Datenraum mit klaren Standards, die Fähigkeit unterschiedlicher Systeme, möglichst nahtlos zusammenzuarbeiten und echter Datenhoheit für die Betriebe. Ziel sei eine Lösung, das Mehrfacheingaben vermeide und Nachhaltigkeitsanforderungen effizient abbildet – etwa das sogenannte Mindestkriterienset (MinKriSet), ein Basispaket an Nachhaltigkeitskennzahlen, das unter anderem im Kontext von Finanzierungs- und Berichtspflichten diskutiert wird. „Die Rohdaten gehören den Landwirtinnen und Landwirten. Sie entscheiden, welcher Akteur welche Daten sehen darf“, verdeutlichte Prof. Borchert. Er erläuterte, dass derzeit zahlreiche Einzellösungen parallel existieren, die kaum miteinander kommunizieren und dadurch unnötige Mehrfacherfassungen verursachen. Anhand konkreter Beispiele aus Befragungen von Betrieben zeigte er, wie hoch der zeitliche Aufwand für Dokumentation inzwischen ist und wo fehlende Schnittstellen die praktische Umsetzung erschweren. Sein Plädoyer: Nur wenn Daten standardisiert und zugleich souverän verwaltet werden, könne aus regulatorischem Druck ein echter betrieblicher Mehrwert entstehen.

Die anschließende Diskussion machte deutlich, wie groß das Interesse an praktikablen Lösungen ist. Viele Teilnehmende schilderten ihre Erfahrungen mit hohem bürokratischem Aufwand und fehlenden Schnittstellen. Die lebhafte Fragerunde, der Austausch mit dem Referenten und die vielen Praxisbeispiele aus dem Publikum zeigten, wie sehr das Thema den Betrieben unter den Nägeln brennt.

In seinem Schlusswort betonte Dr. Matthias Zürker, Geschäftsführer der WFB: „Vor der Digitalisierung gilt es die Regulatorik zu überprüfen mit dem Ziel, diese zu entschlacken. Allgemein muss Digitalisierung Ihnen die Arbeit erleichtern – nicht zusätzlichen Aufwand schaffen.“

Beim regionalen Imbiss wurde weiterdiskutiert – viele blieben noch bis in den späteren Abend, um Kontakte zu knüpfen und Ansätze aus dem Vortrag für die eigene Praxis zu spiegeln.

Die VR Bank Ried-Überwald eG finden Sie im Internet unter www.meinevrbank.de.

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