Schon bevor der erste Stundenplan richtig sitzt, steht für viele Oberstufenschülerinnen und -schüler eine viel größere Frage im Raum als jede Klausur: Wohin soll der eigene Weg nach dem Abitur führen? Genau hier setzt das Format „Schule trifft Wirtschaft“ an – und hat im vergangenen Schuljahr eindrucksvoll gezeigt, wie wertvoll der direkte Austausch zwischen Schule und Praxis sein kann.
Nach dem großen Erfolg des Projekts im vergangenen Schuljahr setzen die Wirtschaftsförderung Bergstraße GmbH (WFB) und die Kreishandwerkerschaft Bergstraße die Veranstaltungsreihe im laufenden Schuljahr fort. Erneut soll jungen Leuten Orientierung für ihren weiteren Lebensweg gegeben werden. An vier Schulen erhalten Schülerinnen und Schüler aus den Vorabgangsklassen die Gelegenheit, mit Vertreterinnen und Vertretern aus Handwerk und Wirtschaft ins Gespräch zu kommen.
Der erste Termin fand in der vergangenen Woche in der Martin-Luther-Schule in Rimbach statt. 85 Schülerinnen und Schüler aus der Jahrgangsstufe 12 nahmen daran teil. Über die Chancen des Handwerks sprachen Dr.-Ing. Viktoria Krastel, Geschäftsführerin der Ernst Krastel GmbH aus Mörlenbach, und David Wedel, Geschäftsführer der Schreinerei holzart GbR aus Zwingenberg.
„Wir bieten einen zukunftssicheren Job mit gutem Gehalt, vielen Karrieremöglichkeiten, Flexibilität und Sinn sowie ein positives Arbeitsklima“, so Dr.-Ing. Krastel. Wie sie weiter ausführte, bildet ihr Unternehmen Anlagenmechanikerinnen und Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik aus. Darüber hinaus bietet die Ernst Krastel GmbH ein duales Studium der Fachrichtung Gebäudetechnik.
Wedel lieferte einen Überblick über die Vielfalt der Handwerksberufe und gab den jungen Leuten das Motto „Nicht grübeln – probiert aus“ mit auf den Weg. Als Vorzüge des Schreinerberufs nannte er den Umgang mit dem Material, die Planung sowie den kreativen Part und erklärte, warum er „das Handwerk liebt“. Zudem gab er Einblicke in Projekte und Werkstätten.
Das kommt an – wie Schülerin Menekse Taspinar bestätigt: „Man hat gesehen, dass es nach der Schule mehr als nur einen Weg gibt und dass eine Ausbildung auch viele Möglichkeiten bereithält.“ Und Fabio Rubeck, ebenfalls Schüler an der Martin-Luther-Schule, sagt: „Ich habe etwas über die Möglichkeit der Selbstständigkeit erfahren. Darüber erfährt man ansonsten recht wenig.“
Studienleiter Timo Paul fügt hinzu: „Wenn junge Menschen am Übergang ihrer Zukunft stehen, ist es ein starkes Zeichen, dass das Handwerk ihnen nicht nur Möglichkeiten zeigt, sondern Perspektiven schenkt. Wer hier zuhört, erkennt schnell: Talent findet im Handwerk nicht nur einen Beruf, sondern eine Berufung – auch für angehende Abiturientinnen und Abiturienten.“
Die WFB und die Kreishandwerkerschaft Bergstraße planen weitere Stationen am 17. April im Litauischen Gymnasium in Lampertheim, am 18. Juni im Überwald-Gymnasium in Wald-Michelbach und im neuen Schuljahr im Alten Kurfürstlichen Gymnasium (AKG) in Bensheim. Auch hier werden Unternehmerinnen und Unternehmer informieren, ihre Ausbildungsangebote präsentieren und für Karrieremöglichkeiten in der Region werben.
Dadurch können Jugendliche Impulse für ihre eigene Zukunftsplanung sowie einen realistischen Eindruck von Karrierewegen erhalten, die nicht zwingend über ein Studium führen. Zudem lernen sie die vielfältigen Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten einer dualen Ausbildung kennen.
„Von dem Projekt ‚Schule trifft Wirtschaft‘ profitieren beide Seiten“, resümiert Brigitte Stein-Kaucher, die im Rahmen des Kooperationsprojekts zwischen WFB und dem Eigenbetrieb Neue Wege Kreis Bergstraße – Kommunales Jobcenter als Projektmanagerin im WFB-Unternehmens- und Gründungsservice tätig ist und als Bildungscoach fungiert. „Eine Ausbildung kann eine ebenso attraktive wie lohnende Alternative zum Studium sein.“
Informationen zu dem Projekt erteilt Brigitte Stein-Kaucher, Telefon +49 (0)6252 689 29 40, E-Mail: brigitte.stein-kaucher@wr-bergstrasse.de.
