21.05.2026

Ein Haus energetisch komplett sanieren — und das in nur 22 Bautagen? Was zunächst nach einer sportlichen Wette klingt, ist ein neuer Ansatz für diePraxis: der sogenannte Sanierungssprint. Wie dieses Modell funktioniert, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und welche Chancen sich daraus für Energieberaterinnen und Energieberater ergeben, stand im Mittelpunkt des 14. Treffens des Energieberater-Netzwerks der Energieagentur Bergstraße.

Veranstalter und Organisator war die Energieagentur Bergstraße, ein Fachbereich der Wirtschaftsförderung Bergstraße GmbH (WFB). Die kostenfreie Online-Veranstaltung richtete sich an Energieberaterinnen und Energieberater aus der Wirtschaftsregion Bergstraße.

Informationen aus erster Hand lieferte Maximilian Chamaoun, Bauphysiker, Energieberater und Sanierungscoach. Er stellte das Konzept des Sanierungssprints vor: eine energetische Komplettsanierung zum Effizienzhausinnerhalb von 22 Werktagen — vorbereitet durch eine intensive Planungsphase, eine präzise Taktung der Gewerke und eine enge Abstimmung aller Beteiligten. Die Präsentation zeigte unter anderem, dass bei einem Beispielprojekt in Stuttgart-Bad Cannstatt der Endenergiebedarf eines Wohngebäudes von 395 auf 37 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr gesenkt wurde. Bestandteil waren unter anderem Maßnahmen an Dach, Außenwand und Kellerdecke sowie -wänden, eine Photovoltaikanlage mit Speicher sowie der Austausch der Gasheizung durch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe inklusive Erneuerung der Heizkörper.

„Der Sanierungssprint ist kein Schnellschuss, sondern das Gegenteil: Er lebt von sehr guter Vorbereitung, klaren Entscheidungen und einem Bauzeitenplan, der alle Gewerke eng miteinander verzahnt“, erläuterte Chamaoun. Entscheidend seien neben der fachlichen Qualität vor allem Koordination, Teamfähigkeit und ein gemeinsames Verständnis des Ziels.

Für Energieberaterinnen und Energieberater eröffnet das Modell neue Aufgabenfelder. Sie können nicht nur bei der energetischen Planung und Fördermittelberatung unterstützen, sondern auch als fachliche Begleiter und Schnittstellen im Sanierungsprozess eine zentrale Rolle übernehmen. „Die Energieberatung wird im Sanierungssprint noch stärker zum strategischen Lotsen: Sie verbindet technische Qualität, Förderfähigkeit und die praktische Umsetzung“, so Chamaoun.

Auch die Herausforderungen wurden angesprochen. Dazu zählen etwa Lieferzeiten, die Verfügbarkeit geeigneter Handwerksbetriebe, eine frühzeitige Detailplanung sowie der Anspruch, den „22-Tage-Spirit“ bei allen Beteiligten aufrechtzuerhalten. Ein wichtiger Baustein sei ein halbtagsgenauer Taktplan, der Innen- und Außenarbeiten parallelisiert und Planungssicherheit schafft.

Im Anschluss an den Vortrag beantwortete der Referent die Fragen der Teilnehmenden. Dabei wurde deutlich: Der Sanierungssprint kann insbesondere dort interessant sein, wo Eigentümerinnen und Eigentümer umfassend sanieren möchten, aber lange Bauzeiten scheuen. Für die regionale Bau- und Energieberatungsbranche kann das Modell zugleich Impulse geben, Sanierungen effizienter, koordinierter und attraktiver zu gestalten.

Dr. Matthias Zürker, Geschäftsführer der WFB, betont die Bedeutung solcher Formate: „Die Wärmewende im Gebäudebestand gelingt nur, wenn Fachwissen, Handwerk und Beratung gut zusammenarbeiten. Mit dem Energieberater-Netzwerk haben wir eine Plattform geschaffen, auf der neue Ansätze wie der Sanierungssprint diskutiert und für die Region nutzbar gemacht werden können.“

Die Energieagentur Bergstraße berät Bürgerinnen und Bürger kostenfrei und neutral zu Fördermöglichkeiten ihrer Energiespar-Vorhaben. Ob energetische Maßnahmen wie den Einbau neuer Fenster, die Erneuerung der Heizung oder Dachdämmung – der WFB-Fachbereich informiert über die passenden Förderprogramme, erläutert die Förderbedingungen und zeigt den Weg zur Antragstellung.

Telefonisch ist die Energieagentur Bergstraße von Montag bis Mittwoch unter 06252 68929-88 und per Mail jederzeit unter petra.neundorf@wr-bergstrasse.de erreichbar.

Lächelnde Frau mit dunklen Haaren, die mit verschränkten Armen vor heller Wand steht, trägt weiße Bluse mit feinen Streifen.

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