Wirtschaftsregion

PERSONAL TRIFFT AUF KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

Wirtschaftsförderung Bergstraße veranstaltete 14. HR-Netzwerktreffen in der Wirtschaftsregion Bergstraße / KI im Bereich Human Resources stand im Zentrum / 43 Personalentscheidende folgten der Einladung

Personal trifft auf Künstliche Intelligenz
Von links: Dr. Matthias Zürker, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bergstraße GmbH (WFB), Elisabeth Mell, Beraterin, INQA-Beratungsstelle Metropolregion Rhein-Neckar, Florian Grösch, Senior Expert Recruiting Solutions, Raven51 AG, Christoph Metz, Bereichsleiter HR Messen und Projektleiter TALENTpro, HRM Institute GmbH & Co. KG, Brigitte Stein-Kaucher, Projektmanagerin im WFB-Unternehmens- und Gründungsservice, Kooperationsprojekt Neue Wege, Marco Kreuzer, Leiter des WFB- Unternehmens- und Gründungsservices, Dr. Thomas Schneidermeier, Leiter des MINT-Zentrums Bergstraße-Südhessen, Kreis Bergstraße, sowie Herbert Fanese, geschäftsführender Gesellschafter, FachPflegeZentrum Bergstraße GmbH. - © WFB

10.12.2025: „Künstliche Intelligenz ist ein Megathema. Und sie wird dauerhaft bestehen bleiben. Der HR-Bereich setzt KI unterschiedlich stark ein. Wir wollen die Personalentscheidenden in den Unternehmen dafür sensibilisieren und neue Impulse setzen“, so Dr. Matthias Zürker, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bergstraße GmbH (WFB), bei der Eröffnung des 14. HR-Netzwerktreffens der Wirtschaftsregion Bergstraße, das kürzlich in Heppenheim stattfand. „HR“ steht dabei für „Human Resources“, sprich für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Firmen. 43 Teilnehmende waren zur Veranstaltung gekommen, bei der fünf Expertinnen und Experten zum Thema „Personal trifft auf Künstliche Intelligenz“ informierten.

Den Start machte Florian Grösch, Senior Expert Recruiting Solutions bei der Raven51AG, einer Personalmarketing-Agentur für HR-Marketing, die bei der Stärkung von Arbeitgebermarken und der Ansprache von Bewerberinnen und Bewerbern auch KI einsetzt. „Unbesetzte Stellen sind teuer und wirken sich auf das Geschäftsergebnis aus“, so der Referent. Dies belegte er anhand einer Formel, mittels der sich diese Kosten konkret ermitteln lassen können. Angepasste Stellenanzeigen sowie smarte Bewerbungsmöglichkeiten seien Möglichkeiten, Stellen rasch zu besetzen und somit Geld zu sparen, erklärte Grösch und erteilte Tipps für eine zielgruppengerechte Jobkampagne. Er machte hier auf die Wichtigkeit von Transparenz aufmerksam, die Klarheit und Vertrauen schaffe. Und er betonte, dass KI beim gesamten Vorgang helfen könne: etwa anhand eines Matching-Systems, das mit einem Punktesystem ermittelt, wie gut eine Person auf eine Stelle passt.

Dass es letztendlich der Mensch ist, der diese Vorgänge wertet und die weiteren Entscheidungen trifft, wurde im Vortrag von Christoph Metz, Bereichsleiter bei der HR-Netzwerk- und Wissensplattform HRM Institute GmbH & Co. KG, deutlich. Er ging auf die Vorteile von KI ein, die zum Beispiel eine Vergleichbarkeit der Bewerbungsdaten herstellt, indem sie diese ausliest und strukturiert. Als weiteres Hilfsmittel kann ein Chatbot die Berberinnen und Bewerber über Zwischenstände im Auswahlverfahren informieren. Das Resultat: ein Zeitgewinn von 30 bis 40 Prozent für die Personalabteilungen. „Doch Vorsicht: Die Entscheidungen der KI müssen stets nachvollziehbar sein und Chancengleichheit gewährleisten“, verdeutlichte Metz. Insofern übernimmt die KI das Parsing, sprich, die Analyse der Datenströmen, um deren Struktur und Bedeutung zu verstehen und sie für eine weitere Verarbeitung zu strukturieren, das Matching, also die erste Zuweisung der in Frage kommenden Bewerbungen, sowie die Standartkommunikation, während der Mensch als letzte Instanz fungiert.

Ein Praxisbeispiel aus der Gesundheitsbranche lieferte Herbert Fanese, geschäftsführender Gesellschafter der FachPflegeZentrum Bergstraße GmbH. Auch er skizzierte KI als wichtigen Helfer und wies mit Blick auf die Dokumentationspflichten auf die Notwendigkeit hin, Abläufe zu digitalisieren. Wegen der steigenden Komplexität im Gesundheitssektor sei KI ein „nützliches Werkzeug“ und eine Entscheidungshilfe. Bei Fachkräftemangel, Überforderung und Personalausfällen liege hier die Hoffnung auf Entlastung. Es gelte, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Digitalisierungsprozess zu beteiligen, Entscheidungen müssten mit dem Team getroffen werden. Fanese betonte: „Es braucht Mut, bei der Digitalisierung voranzugehen. Sie sollte Schritt für Schritt vollzogen werden.“ Auch er hob hervor: „Die Verantwortung trägt schlussendlich der Mensch.“

Anschließend stellte Elisabeth Mell, Beraterin bei der INQA-Beratungsstelle Metropolregion Rhein-Neckar, das so genannte INQA-Coaching vor und sprach über die Chancen, Digitalisierung zur Findung und Bindung von Mitarbeitenden zu nutzen. Wie sie informierte, steht INQA für die Initiative Neue Qualität der Arbeit. Diese unterstützt kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) dabei, die Herausforderungen der Arbeitswelt, insbesondere der Digitalisierung und Fachkräftesicherung, zu meistern. Digitalisierung sei ein Umbruch, bei dem sich gewachsene Strukturen grundlegend wandeln und der gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gestaltet werden müsse. „Wir bieten den KMUs eine kostenlose Erstberatung, klären den Bedarf und stellen einen staatlich geförderten Coaching-Scheck für bis zu 80 Prozent Zuschuss für ein individuelles Coaching aus.“ Ziel sei es, die Zukunftsfähigkeit und Attraktivität der Betriebe zu stärken.

Als letzter Referent stellte Dr. Thomas Schneidermeier, Leiter des MINT-Zentrums Bergstraße – Südhessen, das Schülerforschungszentrum vor, das sich derzeit noch im Bau befindet und dessen Eröffnung im September 2026 vorgesehen ist. Als lebendige Schnittstelle zwischen Nachwuchs, Wissenschaft und Wirtschaft soll das Zentrum Unternehmen auch und gerade beim Thema KI die Chance bieten, frühzeitig aktiv zu werden – etwa durch gemeinsame Projektarbeiten, Robotik-Workshops oder die Bereitstellung realer Datensätze, an denen Jugendliche praxisnahe KI-Lösungen entwickeln können. Gleichzeitig soll das Zentrum den Firmen die Möglichkeit eröffnen, junge Talente früh kennenzulernen, eigene Innovationsfragen einzubringen und sich als moderne, technologieoffene Arbeitgeber zu präsentieren.

Die Vorträge fasste Marco Kreuzer, Leiter des WFB Unternehmens- und Gründungsservices, zusammen: „KI ist wichtig und notwendig, sie vereinfacht bestimmte Prozesse, sie unterstützt, hilft zu strukturieren und spart Zeit. Doch KI kann den Menschen nicht ersetzen – gerade im HR-Bereich, bei dem die Kommunikation und persönliche Faktoren eine große Rolle spielen.“

Nach den Referaten gab es jeweils Raum für Fragen, welchen die Gäste auch in Anspruch nahmen, so dass sich nach den Vorträgen eine Diskussion ergab – mit Ergänzungen und Nachfragen seitens der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Das anschließende Get-together nutzten die Teilnehmenden, um die Gespräche mit den Referenten und weiteren Akteuren der Veranstaltung bei Snacks und Getränken in kleinen Kreisen fortzusetzen.

Info: Wissenswertes über die Serviceleistungen der WFB gibt es hier

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