Wirtschaftsregion

FLÜCHTLINGE AUS DER UKRAINE IN DEN ARBEITSMARKT INTEGRIEREN

Wirtschaftsförderung Bergstraße und Bildungskoordination des Kreises Bergstraße führten Online-Veranstaltung für Unternehmen durch / Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen das Angebot wahr

Flüchtlinge aus der Ukraine in den Arbeitsmarkt integrieren
Die Integration der ankommenden Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in den Arbeitsmarkt ist eine Herausforderung, birgt aber auch Chancen für die Unternehmen in der Wirtschaftsregion Bergstraße. - © Pixabay

15.06.2022: Der Krieg in der Ukraine ist noch immer das beherrschende Thema – in Europa, in Deutschland und auch in der Wirtschaftsregion Bergstraße. Alleine hier sind bereits mehr als 2.100 Flüchtlinge angekommen. Herausforderungen wie die Integration in die Gesellschaft und in den lokalen Arbeitsmarkt werfen viele Fragen auf, bergen aber auch Chancen. Kürzlich hat die Wirtschaftsregion Bergstraße / Wirtschaftsförderung Bergstraße GmbH (WFB) in Kooperation mit der Stabsstelle Bildungskoordination des Kreises Bergstraße eine Online-Veranstaltung für die Unternehmen in der Region durchgeführt, um diese bei diesem Prozess zu unterstützen. Mehr als 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung der WFB.

„Es gibt viele Dinge, die man als Arbeitgeber oder -geberin beachten muss, nicht zuletzt arbeitsrechtlicher Natur. Die WFB unterstützt die Unternehmen in der Wirtschaftsregion Bergstraße“, eröffnete Dr. Matthias Zürker, WFB-Geschäftsführer, die Veranstaltung. „Wir verfolgen das Ziel, Integration durch Bildung zu fördern, indem wir die Angebote, die es im Landkreis gibt, transparent gestalten, kurze Dienstwege herstellen und Netzwerkarbeit leisten“, erläuterte anschließend Darja Janus, die gemeinsam mit Tanja Kirsch als Bildungskoordinatorin des Kreises Bergstraße tätig ist.

Dirk Moser, Fachgebietsleiter Asylecht im Kreis Bergstraße, informierte über die aufenthaltsrechtliche Situation der ukrainischen Flüchtlinge. Er erklärte, welche Personengruppen aus der Ukraine nach dem Gesetz ‚vorübergehenden Schutz‘ in Deutschland erhalten, wonach sie eine Arbeitserlaubnis bekommen. Wie die Teilnehmer erfuhren, besteht der überwiegende Teil der Schutzsuchenden aus Frauen. „Die Anspruchsberechtigten nach ‚Paragraf 24 Aufenthaltsgewährung zum vorübergehenden Schutz‘ erhalten zunächst eine so genannte ‚Fiktionsbescheinigung‘. Sowohl die Aufenthaltserlaubnis als auch die Fiktionsbescheinigung erlauben die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit“, so der Referent. Der Kreis Bergstraße habe bereits knapp 1.650 Personen eine solche Fiktionsbescheinigung ausgestellt, mit denen sie dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

Markus Waschk, im Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Darmstadt tätig, erläuterte, dass seit Inkrafttreten des Rechtskreiswechsels am 1. Juni 2022 ukrainische Flüchtlinge Zugang zum Sozialgesetzbuch erhalten. „Wir sind also für Leistungen nach dem Qualifizierungschancengesetz zuständig, das heißt, wir fördern Personen fördern, die bereits eine Beschäftigung aufgenommen haben“, so Waschk. Wie er erläuterte, gibt es für Flüchtlinge die Möglichkeit, Maßnahmen zur Erreichung eines Berufsabschlusses oder Anpassungsqualifizierungen bei der Agentur für Arbeit zu beantragen. „Bei Fragen zur Qualifizierungsoffensive haben Arbeitgeber die Möglichkeit, uns unter der Servicenummer 0800 4 5555 20 zu kontaktieren. Ansonsten gibt es auf der Internetseite www.arbeitsagentur.de stets die neuesten Informationen“.

Wissenswertes über die Potenziale der Anerkennung von ukrainischen Berufsabschlüssen sowie über die Berufsbildungsstrukturen in der Ukraine lieferte Luena Zifle, Economist beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.. Sie skizzierte ihre Arbeit innerhalb des bq-Portals, das als Informationsportal für ausländische Berufsqualifikationen Kammern und Unternehmen berät. „Wir unterstützen unter anderem dabei, die ausländischen Berufsabschlüsse nicht-akademischer Art besser einschätzen zu können“, so die Referentin. Das bq-Portal helfe Arbeitgeberinnen und -gebern, sich ein umfassendes Bild über die Kompetenzen bestimmter Berufe und die Praxiserfahrung zu machen. Wie Zifle berichtete, sind rund 90 Prozent der ukrainischen Berufsabschlüsse derzeit in Deutschland anerkannt worden, laut Studie sei das Qualifikationsniveau der in Deutschland lebenden Ukrainerinnen und Ukrainer vergleichsweise hoch.

„Wenn es Probleme mit der Sprache oder der Kommunikation mit Geflüchteten aus der Ukraine gibt, bieten wir, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Instrumente zum Spracherwerb und zur -förderung für Ihre zukünftigen Mitarbeitenden“, so Markus Olsinger, Berufsbezogene Sprachförderung, Referat 83B, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Konkret nannte er die vier bis sechs Monate dauernden Integrationskurse für Zuwanderer, die auf Dauer bleiben, sowie die Kurse zum Erlernen einer beruflichen Fachsprache, die in drei bis sechs Monaten durchlaufen werden. Hier gebe es allgemeine und spezielle Angebote. Letztere richteten sich zum Beispiel an Auszubildende oder würden für Sparten wie Gewerbetechnik, Einzelhandel oder den Pflegebereich gelten, erklärte Olsinger. Bundesweit habe das BAMF 45.000 Menschen die Teilnahme an einem Kurs bewilligt.

„Die hohe Teilnehmerzahl an dieser Veranstaltung zeigt das große Interesse der Unternehmen in der Wirtschaftsregion Bergstraße am heutigen Thema“, sagte anschließend Sven Hagenberger, der als Bildungscoach und Projektmanager Unternehmerservice im Rahmen des Kooperationsprojekts mit dem Eigenbetrieb Neue Wege Kreis Bergstraße -kommunales Jobcenter- bei der WFB tätig ist. „Alle zuständigen Stellen in der Wirtschaftsregion Bergstraße arbeiten Hand in Hand und stehen in regem Austausch. Wenn Sie Fragen haben: Sprechen Sie uns an.“

Info: Sven Hagenberger ist unter der Telefonnummer 06252/ 68929-40 oder mobil unter 0176-22382764 zu erreichen. E-Mail: sven.hagenberger@wr-bergstrasse.de.

Die Stabsstelle Bildungskoordination des Kreises Bergstraße finden Sie hier. Wissenswertes zum Thema - sowohl für Geflüchtete als auch für Unternehmen - bietet auch das Internetportal www.jobaidukraine.com.

Die WFB hat die aufgezeichnete Veranstaltung in voller Länge in ihren YouToube-Kanal eingestellt.

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Wissenswertes über das Projekt „Bildungscoach“ gibt es hier.

Das Projekt „Bildungscoach“ wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und aus Mitteln des Landes Hessen gefördert.

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